Adelsküche - was auf den Tisch?

Gaumenfreuden, hier sollen Rezepte stehen

Adelsküche - was auf den Tisch?

Beitragvon Johanna zu Elbrighausen » 13.04.2008, 09:52

In der letzten Woche gab es in "meiner" Gruppe einige Diskussionen über die Küche, wir haben einen neuen Koch :wink:
Also, habe ich mich entschlossen ein paar neutrale Meinungen einzuholen, um die Gemüter zu beruhigen.

Es soll für ein adeliges Paar und ihre ebenso adeligen Begleiter gekocht werden, die mitreisenden Knechte und Mägde sollen gesondert verköstigt werden.
Bei der "Bauernspeis" ist kein Problem aufgetreten, es wird Suppe geben. Graupen, Hirse (?) und Gemüse wie Mangold, Bärlauch, Kohl.

Jetzt zum Adel
morgens: Haferschleim?
Wäre es auch möglich soetwas wie Mettwürste zu servieren. Unser Koch sagt ja. Er habe das in seiner alten Gruppe serviert.
Zeitraum der Darstellung ist ab 1300.

Wäre nett eure Hilfe zu bekommen.

Johanna
Nach Höherem soll streben, wer zu Höherem geboren wurde.
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Beitragvon Wilhelm von Oranien » 13.04.2008, 11:45

Ich sage mal , Brei ist O.K. dazu Brot und etwas Honig sowie etwas verdünnten Wein.
Mittag wäre für die "Hohen Herrn" ein Braten oder auch geflügel nicht schlecht, dazu Brot und ein Gemüse. das gesinde sollte sich mit einer einfachen Suppe zufrieden geben.
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An der MA - Tafel

Beitragvon C.F. Leinenweber » 13.04.2008, 13:23

Kurz, prompt und schnell:
lest nach im Buch "Mittelalter leben - heute -" von Clemens Richter (DSV-Verlag, 2007) im Kapitel "An der Tafel" (ab Seite 207 ff).
Da steht so ziemlich alles wichtige beschrieben und dies Buch ist nicht teuer.
Gruß
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Beitragvon RAUBRITTER » 18.04.2008, 19:18

...kommt auch darauf an wo sich das ganze abspielt - ob man in einer Burg speist oder in einem Heerlager...

Gruss Raubritter
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Beitragvon Gotfried_von_Pochsberg » 20.04.2008, 16:31

Ich empfehle wie immer, immer wieder gerne und mit gutem Gewissen, Joachim Bumke's Höfische Kultur - Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter; ISBN: 3-423-30170-8

Ein kleiner Auszug von S.240 ff., Kapitel III - 4. Essen und Trinken:

Rüben und Sauerkraut brachte man nicht auf den Tisch. Wildbret und edler Fisch, gut gewürzt, war für die Herren zubereitet. Es gab da einen Überfluss an Speisen; und dazu tranken die Recken den besten Wein, den es auf Erden gibt. (Anmerkung von mir, das ist eine Übersetzung aus Apollonius von H.v.Neustadt)



Unterschied im Brot: Bauern: Haferbrot (Haber) und der Herr: Weiße Semmeln (wîzen semeln) Bier ist fürdie obere Schicht leider auch perdu. Die Herren tranken tatsächlich lieber Wein. Was auch leicht nachzuvollziehen ist, denn ein Reinheitsgebot kam erst später :-)
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Beitragvon Johanna zu Elbrighausen » 24.04.2008, 06:13

Es soll eigentlich nur im Lager gekocht werden.

@ Gotfried von Pochsberg: das zitierte ist uns auch bekannt, aber trotzdem Danke.

Weiß denn jemand, ob es im Mittelalter bereits Würste gab? War diese Art bereits durch die Römer bekannt?
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Beitragvon Wilhelm von Oranien » 24.04.2008, 17:11

Ja,
es gab Würste. diese wurden zum teil auch als "Fastenspeise" gegessen.

ja wirklich denn man konnte das zerkleinerte fleisch nicht sehen :wink:
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Beitragvon Fortinbras » 24.04.2008, 18:56

Im Mittelalter haben die Würste in Nürnberg durchs Schlüsselloch gepaßt, so konnten sie verkauft werden, wenn der Wirt schon zu hatte, da gabs auch schon Sperrstunden ;)
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Rostbratwürstle

Beitragvon C.F.Leinenweber » 24.04.2008, 21:25

@Forti ... :wink:
JAAA, die guten Nürnberger Rostbratwürstle. Hmm, Hunger und Appetit bekomme... :? Nix im Haus und viel zu spät.
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Beitragvon hellobello » 25.04.2008, 13:25

Johanna zu Elbrighausen hat geschrieben:Weiß denn jemand, ob es im Mittelalter bereits Würste gab? War diese Art bereits durch die Römer bekannt?


Würste gab es auf jeden fall. Es sind einige Miniaturen bekannt auf der welche dargestellt werden. Leider weiss man nicht welcher Art die Würste waren. Meine persönliche Meinung ist es, dass heutige grobe "Hausmacherwürste" am ehesten hin kommen. Der Kutter war ja noch nicht erfunden, und alles wurde von Hand geschnitten (Wiegemesser).

Dass Bawren ausschliesslich Brei aßen ist übrigens ein Irrglaube. Zu manchen Zeiten wurde sogar mehr Fleisch konsumiert als heute. Ich werde heute abend die entsprechende Textpassage hersuchen. Oder, wer das Buch "Bauernhäuser aus dem Mittelalter" vom Freilandmuseum Bad Windsheim hat, kann selbst mal unter "ernährung" nachsehen.
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Beitragvon Fortinbras » 25.04.2008, 15:54

Da die Schraube eine Erfindung des Mittelalters ist, und der alte Archimedes sich schon mit Fördertechnik beschäftigte, ist die Frage, wann wurde der Fleischwolf erfunden?
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Beitragvon hellobello » 25.04.2008, 19:50

Wiki sagt: "Der Fleischwolf wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von Karl Drais erfunden." Übrigens der gleiche Kerl der das Fahrrad erfand. Der Typ war ziemlich wief. Hat so einiges erdacht.

Ein Wolf würde aber auch nur grobe Wurst erzeugen.
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Beitragvon hellobello » 25.04.2008, 20:02

Sodale, hier der Besagte Text:

Nach allgemeiner Auffassung ist die Ernährungslage im dünnbesiedelten Frühmittelalter durch einen relativ hohen Fleischkonsum gekennzeichnet, während mit Bevölkerungswachstum und Vergetreidung im Hochmittelalter der Trend zu verstärkter Getreidenahrung gehen dürfte. Im Spätmittelalter wiederum kippt infolge des Bevölkerungsrückganges die Entwicklung um und der Fleischkonsum steigt wieder an, um nach 1550 erneut abzunehmen. Hoch ist der Fleischverbrauch zwischen 1350 und 1550. Man rechnet mit durchschnittlich 100kg pro Kopf und Jahr. Etwa ein halbes Pfund pro Person und Tag. 1974/75 lag der Verzehr bei 82,5kg/kopf und Jahr, trotz höherem Wohlstand.

Quelle: "Bauernhäuser aus dem Mittelalter", Fränkisches Freilandmuseum.


Zusätzlich wird der Speisezettel des Heilig-Geist Spitals Weissenburg aus dem Jahr 1536 aufgeführt, bei dem an jedem Tag ausser Freitag und Samstag Fleisch angeboten wird.
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